Schweigen als Konfliktverstärker.
15.12.2024
Warum sagst du nichts?
Wir kennen es alle: Wir schweigen in wichtigen Momenten, obwohl wir viel zu sagen haben.
Zum Beispiel, weil
- wir Angst vor Zurückweisung haben;
- wir nichts Falsches sagen wollen;
- wir unser Gegenüber nicht verletzen wollen;
- wir keine Kraft für eine Auseinandersetzung haben;
- wir glauben, die Situation regelt sich von selbst;
- wir die Sache nicht noch schlimmer machen wollen.
Doch Schweigen bringt nicht automatisch Frieden.
Häufig versteckt sich hinter dem Schweigen eine tickende Zeitbombe.
Ein Kommunikations-Vakuum entsteht.
Unausgesprochenes wird schnell zu Unverstandenem.
Denn wenn du schweigst, lässt du Raum für Interpretationen – und die sind gerade in emotionalen Situationen meistens negativ. Schweigen wird häufig als Ablehnung, Desinteresse oder sogar Verachtung wahrgenommen, selbst wenn das nicht deine Absicht ist.
Nach dem Motto „Besser, ich gehe vom Schlimmsten aus“, schützt sich dein Gegenüber vor dem, was du nicht aussprichst. So entstehen Unsicherheit, Frustration und Missverständnisse, die mit jedem weiteren Moment des Schweigens wachsen.
Schweigen ist weder ein langfristiger noch ein befriedigender Lösungsweg. Besonders in wiederkehrenden Situationen und (privaten wie beruflichen) Beziehungen, die bestehen bleiben, verzögerst du die Lösungsfindung durch hartnäckiges Schweigen nur – und schaffst damit ungewollt Nährboden für weitere Probleme.
Zwei alternative Handlungs möglichkeiten.
1. Erkläre deinem Gegenüber, was in dir vorgeht.
Schweigen kann hilfreich sein. Zum Beispiel, wenn du merkst, dass deine Gefühle dich überrollen oder du Zeit brauchst, um deine Gedanken zu ordnen. Das ist verständlich und nachvollziehbar – wenn du es deinem Gegenüber mitteilst. Verbalisiere, was in dir vorgeht. Beispiel: „Ich brauche etwas Zeit/Abstand, um mir über meine Gedanken/Gefühle klar zu werden, bevor ich dir eine Antwort geben kann.“ Manchmal reicht eine kurze Pause. Wenn du mehr Zeit brauchst, biete deinem Gegenüber direkt einen Follow-up-Gesprächstermin an.
2. Starte mit (objektiven) Beobachtungen.
Besonders der Gesprächseinstieg ist wichtig – und schwierig. Starte, indem du neutral die Konfliktsituation oder Eckpunkte des bisherigen Konfliktverlaufs schilderst. Das gelingt am besten, wenn du dich auf konkrete Beobachtungen und Beispiele beziehst. Achtung: Pass auf, deinem Gegenüber keine Unterstellungen oder Vorwürfe zu machen. Überprüfe gerne durch Nachfragen, ob du und dein Gegenüber die „reine Faktenlage“ gleich wahrnehmt. So könnt ihr eine gemeinsame Ausgangsbasis für das weitere Gespräch schaffen, zu der ihr bei Bedarf immer wieder zurückkehren könnt.